Ethik

Jahrelanger sexueller Missbrauch verhindert die Entwicklung von Autonomie. Die Erfahrung, dass man in Beziehungen zu anderen ein eigenständiges Selbst entwickeln kann, fehlt. Missbrauchte Kinder "wissen", dass sie dem Täter "gehören". Die Erlaubnis, selbst zu denken und zu handeln ist oft nicht vorhanden. Somit ist das Risiko der Anpassung und Unterordnung an mich gross. Es liegt in meiner Verantwortung, genau auf versteckte Symbiosemechanismen zu achten, nachzufragen, wenn das Ja der Klientin nicht kongruent mit ihrem Körper- oder Gesichtsausdruck ist, oder wenn ich dabei ein ungutes Gefühl habe. Deshalb übernehme ich auf der Beziehungsebene zu 100 Prozent die Verantwortung und nicht nur zu 50 %, wie das in der TA sonst gehandhabt wird. Bereits mehrmals arbeitete ich mit Klientinnen, die sexuelle Kontakte mit einem Therapeuten hatten oder und / oder Grenzüberschreitungen in der Therapie erlebten. Für diese war das eine schädigende und skriptverstärkende Erfahrung, die ich als ethisch verantwortungslos und retraumatisierend einstufe.